Nie wieder so viele
Autos bauen.
Nie wieder so lange arbeiten.
Wirtschaftswachstum bringt's nicht: es hat die Krise überhaupt
erst
beschert.
Allein in der Metall- und Elektrobranche werden 650.000 Arbeitsplätze
verschwinden. 700.000 sind bereits in Kurzarbeit. Die Autoregion
Baden-Württemberg trifft es besonders hart. Wäre Wirtschaftswachstum
die
Lösung, dürfte dieser Zustand nie eingetreten sein. Denn seit Jahr und
Tag
wurden die Wachstumsraten gefeiert. Und die kamen nur zustande, weil
immer
weniger Menschen immer billiger immer mehr produziert haben. Irgendwann
waren trotz Abwrackprämie nicht mehr genug Leute da, die das alles
kaufen
konnten. Das System, das unendliches Wachstum und Maximalprofit
braucht,
vernichtet immer wieder selbst, worauf es angewiesen ist: Kaufkraft und
Arbeit.
Der Staat bringt's nicht: seine Zukunft heißt Bankrott.
Letztes Jahr herrschte weltweit großes Staunen: Woher nur nahmen die
Staaten
die Billionen zur Stützung von Banken und Konjunktur? Die Wahrheit
hieß: aus
der Luft. Das rächt sich jetzt. Schon droht Griechenland und andern
EU-Ländern der Staatsbankrott, auch das deutsche Staatsdefizit steigt
enorm.
Der Euro gerät ins Schlingern, daraus kann leicht eine
Weltwährungskrise
werden. Staaten können sich, wenn überhaupt, höchstens mit Inflation
oder
schlagartiger Einführung einer neuen Währung vor dem Bankrott retten.
Das
geht nur auf dem Rücken der meisten Menschen.
Sozialismus ist von gestern.
Nichts diskreditiert die Suche nach Alternativen so wie der schon
einmal
"real" gewesene Sozialismus. Der ging zu Recht unter. Diktatur und
Kollektivismus haben Leben und Hoffnungen von Millionen zerstört. Doch
wann
werden die kapitalistischen Staaten den sozialistischen in den Ruin
nachfolgen? Heute geht es um Selbstorganisation freier Individuen und
solidarisches Wirtschaften jenseits von Markt und Staat. Wie das geht,
steht
in keinem Lehrbuch und auch nicht in diesem Flugblatt. Gut so.
Massive Arbeitszeitverkürzung für eine bessere Zukunft.
Für die, die noch Arbeit haben, wird der Stress immer unerträglicher,
Millionen wollen raus aus der Mühle. Millionen andere werden von der
großen
Maschine für überflüssig erklärt und ausgespuckt. 20-Stunden- oder
Dreitagewoche oder vier Monate Urlaub oder mit 50 aufhören oder. das
können
erste Schritte in ein besseres Leben sein. Um Lohnausgleich kämpfen ist
gut,
doch wer glaubt, die Arbeits-Wachstums-Profit-und-Lohn-Maschine könne
unser
Leben auf Dauer "finanzieren", irrt. Wir müssen uns mehr freie Zeit
erkämpfen, um ein selbstorganisiertes und solidarisches Leben
aufzubauen.
Allerlei blödsinnige Erklärungen für die Krise.
Unehrliche Griechen, gierige Manager, Sozialhilfebetrüger, Finanzhaie:
sie
sind angeblich schuld. Da müssten aber über Nacht ziemlich viele
Bösewichter
aufgetaucht sein, von denen man vorher nichts gehört hat. Als ob die
paar
lumpigen Euro mehr Sozialhilfe, die eineR hin und wieder dem Staat noch
abluchsen kann, gegenüber den Billionenpaketen für die Banken irgendein
Gewicht hätten und als ob nicht der eigentliche Betrug an denen
stattfände,
denen ein Leben mit Sozialhilfe zugemutet wird. Und was ist mit den
Managern, die - ganz anders als die Prekären und Ausgegrenzten - an der
Quelle sitzen und sich fürstlich bedienen? Sympathisch müssen sie einem
nicht sein, aber deswegen haben sie noch lange nicht die Krise
"gemacht".
Denn wenn sie alles dafür tun, damit sich Kapital bestmöglich verwertet
und
Maximalprofit rausholen, tun sie nur das, was ganz normal ist in der
Marktwirtschaft. Anders funktioniert sie nicht. Setzt sich Daimler
nicht
gegen die Konkurrenz durch, steht es auch schlecht um seine
Arbeitsplätze.
Kann man sich bei dem Gedanken wirklich wohl fühlen? Auch wenn von
Obama bis
Köhler und DGB-Sommer alle den Bankern die Schuld geben und auch wenn
in
Nordkorea kürzlich ein Funktionär wegen der Inflation (!) hingerichtet
wurde: Selber denken ist besser. Wer an Bösewichter glaubt, stellt die
Systemfrage nicht. Und umgekehrt.
Auch die Sache mit Griechenland ist ein wenig komplizierter.
Französische Ministerin radikaler als deutsche Arbeiter.
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Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde forderte öffentlich
höhere Löhne in Deutschland und blamierte damit nicht zuletzt die
deutschen
Arbeiter und ihre Gewerkschaften. Seit 15 Jahren steigen die Löhne
überall
in der EU stärker als in Deutschland, wo die Reallöhne sinken, 2009
sogar
erstmals die Bruttolöhne. In der EU verdienen Frauen 16% weniger als
Männer,
in Deutschland sind es 23%. Was hat das alles mit anderen Ländern zu
tun?
Mit dem Konkurrenzvorteil der relativ sinkenden Arbeitskosten
überschwemmen
deutsche Waren andere Länder und bringen deren eh schon
krisengeschüttelte
Wirtschaft in zusätzliche Schwierigkeiten. Kleine Länder wie
Griechenland
erwischt die deutsche Exportoffensive besonders. Da ist es zynisch, den
Griechen vorzuwerfen, sie sollten sich doch ein Beispiel an den
Deutschen
nehmen. Umgekehrt wäre es besser. Denn während es in Griechenland (und
anderswo) schon mal einen Generalstreik gibt, nimmt die große Mehrheit
der
Deutschen noch jede Zumutung kampflos hin. Streiken? Um Himmels Willen!
Bloß
nicht auffallen, bloß nicht anecken, lieber den Gürtel enger schnallen
und
hoffen, dass es die andern mehr trifft als einen selbst. Und immer ans
Große
Ganze denken. Das hieß bis 1945 übrigens Volksgemeinschaft und denen,
die
nicht dazugezählt wurden, ging es bekanntlich dreckig. Auch heute
meinen
viele Deutsche überheblich, die Griechen seien nicht so "ehrlich und
fleißig
wie wir" und folglich selbst schuld. Statt für seine eigenen Interessen
einzutreten, unterstützt man lieber den aggressiven Kurs der
Bundesregierung
gegen Griechenland und andere Länder und hofft, dass etwas davon für
einen
abfällt.
Entsprechend bedenklich ist der Zustand der Gewerkschaften. Es scheint,
als
wollten sie in ihrer Mehrheit gar nicht kämpferischer werden - und
selbst
dort, wo sie es versuchen, haben sie angesichts dieses Bewusstseins an
der
Basis große Schwierigkeiten. In den letzten Tarifrunden haben IG Metall
und
ver.di mehr auf (noch) kooperationsbereite Arbeitgeber gesetzt als auf
die
(zweifelhafte) Kampfbereitschaft ihrer Mitglieder. Das macht sie noch
schwächer.
Sackgasse C-Klassenkampf
Unter der Losung "Ohne C geht's Ländle hee" (auf hochdeutsch: "Ohne die
Produktion der Daimler-C-Klasse geht Baden-Württemberg kaputt")
demonstrierten Daimler-Beschäftigte gegen die Verlagerung der
Produktion und
dafür, dass alles so bleibt wie es ist. Wo man sich nur "Schaffe,
schaffe,
Auto baue" vorstellen kann, macht die Vorstellung Angst, dass es einmal
nicht mehr so weitergehen könne. Solche C-Klassenkämpfe sind einerseits
verständlich. Denn solange Menschen von Arbeitslohn abhängig sind, weil
sie
anders ihr Leben nicht bestreiten können, sind sie daran interessiert,
diese
Arbeit zu behalten. Das Problem ist nur: C-Klassenkämpfe stecken in der
Sackgasse. Wo mit immer weniger Arbeit immer mehr produziert werden
kann,
sind immer mehr Menschen für den Kapitalismus zu teuer und überflüssig.
Und
Hartz IV-Bezieher kaufen nun mal weder die C-Klasse noch sonst viel.
Auch
der Staat kann nicht eine Abwrackprämie nach der andern aus dem Hut
zaubern,
eher wrackt er selbst ab. Außerdem weiß sowieso jeder vernünftige
Mensch,
dass es viel zu viele Autos gibt.
Auch wenn's weh tut: "Weiter so" war gestern.
Nachdenken über Grundsätzliches ist angesagt. Warum muss eigentlich das
ganze Leben aus Maloche bestehen? Warum soll das eigentlich nicht
gehen:
Reichtum produzieren mit wenig Arbeit? Die Technik, die Wissenschaft,
das
Know-how, alles ist da. Die Schaufenster quellen über. Und ist wirklich
alles gut und sinnvoll, was heute produziert wird? Mit Autos verstopfte
Städte und vergiftete Luft, Berge voll Waffen, Atomkraftwerke und
Werbeprospekte für die Mülltonne? Wer arbeitet im Ernst gerne für
solchen
Mist?
Stell Dir vor: Du und andere nutzen einfach das vorhandene Potential in
den
Betrieben, Unis und Verwaltungen (auch das in Euren Köpfen) und Ihr
organisiert eine solidarische Wirtschaft, in der es "nur" um die
Bedürfnisse
der Menschen geht. Du müsstest Deine besten Jahre nicht mehr für "die
Arbeit",
"den Profit" und "das Wachstum" verschleudern, ein reichhaltiges und
erfülltes Leben wäre drin. Wäre das nicht wichtiger als "s'Ländle" und
Deutschland? Denn was haben ausgerechnet die mit Deinem guten Leben zu
tun?
Veränderung beginnt im Kopf: in Deinem.
"Mit C geht's Läbe hee" (auf hochdeutsch: "Mit C geht das Leben kaputt")
Zum Weiterlesen:
Every Bank is a Bad Bank
http://www.emanzipationundfrieden.de/09-03-15_EuF_Flyer_-_Every_Bank_is_a_Bad_Bank.pdf
Wahre und falsche Ursachen der Finanzkrise
http://www.emanzipationundfrieden.de//unseretexte/texteeinzelnerautorinnen1/G-B_Krisengefluester.htm
"Geld ist genug da" Doch das ist keine Lösung
http://www.emanzipationundfrieden.de/unseretexte/texteeinzelnerautorinnen1/G-B_Geldgenug.pdf


