Deutsche Zustände


Texte von anderen, die wir lesenswert finden.


„Alt-Nazis gegen Wehrdienstverweigerer, das war Westberlin.“

Angesichts der durchsichtigen Versuche, die 68er-Bewegung im Zusammenhang mit dem „Fall Kurras“ als eine Stasi-Verschwörung zu denunzieren, verweist Verleger Klaus Wagenbach auf so manches, das über die Verhältnisse in den sechziger Jahren gesagt werden muss, damit nicht auch dies noch im Strudel des allgemeinen deutschen Gechichtsrevisionismus untergeht. Beispielsweise darauf: „Bei den Demonstrationen habe ich erlebt, wie die Leute am Straßenrand tobend vor Wut riefen: 'Die müsste man alle vergasen!'“

Das Interview finden Sie [hier].

Die Deutschen und ihre Erinnerung an Vertreibungen

In Deutschland gibt es bekanntlich ein verbreitetes Bedürfnis, sich mit Vertreibungen auseinanderzusetzen. Das so genannte "Zentrum gegen Vertreibungen" wird mit der Absicht der Geschichtsklitterung eingerichtet und dient dem Ziel, die Deutschen als "Opfer" darzustellen. Eine aktuelle Petition an den Bundestag verweist jetzt auf Einige der Minderheit der Deutschen, die wirklich Opfer des Nationalsozialismus waren. Sie wurde von Hajo Jahn, Vorstand der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft, mit dem Ziel der Würdigung der ab 1933 von den Nazis vertriebenen Künstler und anderen Intellektuellen initiiert. Uns hätte es offen gesagt besser gefallen, wenn die InitiatorInnen Ihr Anliegen nicht als Ergänzung des "Zentrums gegen Vertreibungen", sondern anstelle dieses unsäglichen Zentrums vorgeschlagen hätten. Auch können wir nichts mit "echten Patrioten", "nationaler Verpflichtung" etc. anfangen. Trotzdem ist die Petition u.E. dazu geeignet, einiges Notwendige in der deutschen Erinnerungskultur zurechtzurücken, weshalb wir sie hier verlinken:

www.vertreibung-petition.de

Das Gute und die Gier

Ressentiments und Blütenträume regressiver Kapitalismuskritik.

http://www.krisis.org/2008/das-gute-und-die-gier/print

Als Audiovortrag anzuhören bei Radio Nopro - podcast für eine bessere Welt.

http://radio-nopro.podspot.de/post/das-gute-und-die-gier-1/
http://radio-nopro.podspot.de/post/das-gute-und-die-gier-2/

Knobelbecher und Sandalen
Neue Farbenlehre: die schwarz-braune Grauzone zwischen Union und Neonazis

Wird die gesellschaftliche Krise der Gegenwart in eine Neuauflage der Herrschaft antisemitischen, nationalistischen und rassistischen Wahns münden? Der baden-württembergische SPD-Landtagsabgeordnete Stephan Braun und seine Fraktionsvorsitzende Ute Vogt haben ein Buch herausgegeben, das sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt, wenn auch nur indirekt. [weiterlesen]

Antisemitismus — gibt’s das überhaupt?
Oder: Was man in Deutschland alles nicht wahrhaben will.


Am 27.1.1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Damit begann das Ende des Leids, das der deutsche Nationalsozialismus über die jüdischen Menschen in Europa gebracht hatte. Neben Versuchen, den Ursachen für dieses beispiellose Verbrechen nachzugehen, sind die letzten 60 Jahre in Deutschland vor allem durch eine weit verbreitete Schuldabwehr gekennzeichnet. Schuld waren “die Nazis”, “die Bourgeoisie”, “die Richter und Henker”, “das Großkapital” oder gar “Versailles” – in jedem Fall aber immer irgendwelche andere, von denen man sich im Zweifelsfall distanzieren konnte. Der gesellschaftliche Diskurs in den Jahren seit 1945, sei es in der Rechten, in der Linken oder in der so genannten Mitte, ist geprägt von der geradezu panischen Abwehr der Erkenntnis, dass es schlicht und erschütternd die Deutschen waren, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – die Shoah verbrochen haben. [weiterlesen]

Es war an der Zeit
Ein Buch über die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg beleuchtet gleich mehrere dunkle Flecken in unserem Geschichtsbild.

Man spricht mit Selbstverständlichkeit vom Weltkrieg, aber dass es wirklich einer war, bleibt weitgehend unbewusst. Mehr noch, die Rede legt unfreiwillig etwas von der Vorstellung offen, die man von der Welt hat. Schon die zeitliche Begrenzung auf die Jahre 39 bis 45 ist eurozentristisch, begann er doch in Afrika bereits 1935 mit Mussolinis Überfall auf Äthiopien und endete in China erst mit der Gründung der Volksrepublik 1949, während er in Vietnam mehr oder weniger nahtlos in einen 30jährigen antikolonialen Befreiungskrieg überging. Wenn Prinz Kum’a Ndumbe III, Professor an der Universität Jaunde in Kamerun im Vorwort des hier behandelten Bandes über die “Forscher aus den wohlhabenden Staaten” schreibt, sie “unterliegen bewusst oder unbewusst einem stillen Rassismus, der sie dazu verführt, Geschehnisse außerhalb ihres eigenen `Wohlstandszentrums` als wenig relevant für ihre Arbeit zu betrachten”, so trifft das nicht nur auf die Historikerzunft zu. Er beschreibt nichts als den allgemeinen Bewusstseinsstand in der “ersten Welt”. Die VerfasserInnen der jüngst bei Assoziation A erschienenen Dokumentation “Unsere Opfer zählen nicht – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg” haben den Scheinwerferkegel nicht nur auf einen großen dunklen Fleck in der Geschichtswissenschaft, sondern auch in den Köpfen fast aller politisch-historisch interessierten ZeitgenossInnen – jedenfalls in “unseren” Regionen – gerichtet. [weiterlesen]