Man spricht mit Selbstverständlichkeit vom
Weltkrieg, aber dass es wirklich einer war, bleibt weitgehend
unbewusst. Mehr noch, die Rede legt unfreiwillig etwas von der
Vorstellung offen, die man von der Welt hat. Schon die zeitliche
Begrenzung auf die Jahre 39 bis 45 ist eurozentristisch, begann er doch
in Afrika bereits 1935 mit Mussolinis Überfall auf Äthiopien und endete
in China erst mit der Gründung der Volksrepublik 1949, während er in
Vietnam mehr oder weniger nahtlos in einen 30jährigen antikolonialen
Befreiungskrieg überging. Wenn Prinz Kum’a Ndumbe III, Professor an der
Universität Jaunde in Kamerun im Vorwort des hier behandelten Bandes
über die “Forscher aus den wohlhabenden Staaten” schreibt, sie
“unterliegen bewusst oder unbewusst einem stillen Rassismus, der sie
dazu verführt, Geschehnisse außerhalb ihres eigenen
`Wohlstandszentrums` als wenig relevant für ihre Arbeit zu betrachten”,
so trifft das nicht nur auf die Historikerzunft zu. Er beschreibt
nichts als den allgemeinen Bewusstseinsstand in der “ersten Welt”. Die
VerfasserInnen der jüngst bei Assoziation A erschienenen Dokumentation
“Unsere Opfer zählen nicht – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg”
haben den Scheinwerferkegel nicht nur auf einen großen dunklen Fleck in
der Geschichtswissenschaft, sondern auch in den Köpfen fast aller
politisch-historisch interessierten ZeitgenossInnen – jedenfalls in
“unseren” Regionen – gerichtet.
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