Bauhaus


„Bunt ist meine Lieblingsfarbe“ - sagt Walter Gropius. Und: "Nur vollkommene Harmonie in der technischen Zweck-Funktion sowohl wie in den Proportionen der Formen kann Schönheit hervorbringen. Und das macht unsere Aufgabe so vielseitig und kompliziert." Das Staatliche Bauhaus wurde 1919 – also vor 90 Jahren - von Walter Gropius in Weimar als Kunstschule gegründet. Nach Art und Konzeption war es damals etwas völlig Neues. Heute stellt das historische Bauhaus eine der einflussreichsten Bildungsstätten im Bereich der Architektur, der Kunst und des Designs dar. Das Bauhaus bestand von 1919 bis 1933 und steht heute weltweit für eine Avantgarde der Klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Kunst. Die Resonanz des Bauhauses hält bis heute an, und prägt wesentlich das Bild deutscher Entwürfe im Ausland. Die Stärken des Bauhauses lagen in dem Einlassen auf die Verhältnisse, verbunden mit dem Versuch, sie zu verändern. Wenn das Bauhaus und seine Zeitgenossen anerkannten, daß Technik und Industrialisierung nicht mehr rückgängig zu machen seien, wenn sie sich nicht in Nostalgie vergruben, sondern versuchten, etwas für die Menschen positives daraus zu machen. Die Verbindung von Technik und Kunst, von Maschinen und Handwerk, war richtig und ist auch heute richtig, wenn die Technik und die Maschinen das Leben und die Arbeit erleichtern...Der zum Dienst an der ganzen Gesellschaft bereite Künstler bleibt auf eine insulare, nur einen kaufkräftigen Teil der Gesellschaft erreichende Wirkungsmöglichkeit beschränkt, solange er nicht in ein harmonisches Verhältnis zur Gesellschaft tritt und ihn die Gesellschaft nicht weiter mit einem jahrhundertelang geübten Geniekult zweckfreier Produktion ‚schöner Künste' vom gesellschaftlichen Leben isoliert, sondern ihn als gleichberechtigte produktive Kraft an- und aufnimmt. Diesen Zeitpunkt sehnten die Meister des Bauhauses herbei, ihm arbeiteten sie entgegen. Bekannt für den Bauhaus-Stil ist die Stuttgarter Weissenhof-Siedlung mit dem Weissenhofmuseum im Le Corbusier-Haus. In der Staatsgalerie ist zur Zeit die Ausstellung „Film und Foto: eine Hommage“ - FiFo - zu sehen. Ein Teil der Werke, die vor 80 Jahren als internationale Ausstellung des Deutschen Werkbundes gezeigt wurden. Russische Konstruktivisten suchten ebenso wie die Fotografen am Bauhaus oder die Surrealisten den interessanten, ungewöhnlichen Blickwinkel, experimentierten mit Licht und Schatten, mit Improvisation und impulsiver Gestaltung des Moments. In der Ausstellung werden experimentelle Filme gezeigt, die sonst eher selten auf grosser Filmleinwand zu sehen sind. Anlässlich des neunzigsten Gründungstages des Bauhauses (1919-2009) startete auf der Schwäbischen Alb ein Netzwerk aus Personen und Einrichtungen am 23. Juli 2009 ein ehrgeiziges Vorhaben. Es trägt den Titel "Pausa – Artur und Felix Löwenstein – Bauhaus – Adolph Lowe". Ziel des Vorhabens ist es, verschiedene geschichtliche Fäden und Linien des Ausgreifens und des Zurückgeworfenseins der Moderne am Beispiel eines eingrenzbaren Mikrokosmos zu verfolgen. In diesem Mikrokosmos treffen Tagträume des Bauhauses, Hoffnungen einer aufgeklärten Arbeiterschaft, weltoffene Kulturen auf die zerstörerischen, inhumanen, antisemitischen Gegenkräfte des Nationalsozialismus. Der Ort dieses Geschehens war die Stadt Mössingen. Dort fand Ende Januar 1933 der einzige Generalstreik gegen Hitler statt. In Mössingen bauten die Brüder Artur und Felix Löwenstein mit dem Textilunternehmen PAUSA ein damals technologisch hochmodernes Textilunternehmen auf, das weltweit tätig war und internationale Preise erhielt. Die PAUSA arbeitete mit dem Bauhaus und Walter Gropius zusammen. Die PAUSA war ein früher Produktionsstandort zur Bauhaus-Verwertung. Die Arbeiter der PAUSA führten den Generalstreik gegen Hitler an. Die Streikenden wurden von den Nationalsozialisten verfolgt und inhaftiert. Die Gründer der PAUSA, die Brüder Löwenstein, gerieten in den Blickwinkel der Nazis. 1936 wurde die PAUSA zwangs"arisiert" und die Löwensteinfamilien vertrieben. Adolph Lowe, enger Freund von Karola und Ernst Bloch, half der Familie Felix Löwenstein nach Manchester zu entkommen. Adolph Lowe war mit Bea, der Schwester der Löwensteinbrüder, verheiratet. Ernst Bloch widmete Adolph Lowe 1968 das Werk "Atheismus im Christentum". Im Jahr 2009 - 73 Jahre nach ihrer unfreiwilligen Emigration - kehrten die Nachkommen von Felix und Artur Löwenstein zum ersten Mal wieder an den Ort ihrer Vertreibung nach Mössingen zurück. Die 84jährige Doris Angel und der 85jährige Harold Livingston wurden in Mössingen auch von den Mitgliedern der Ernst-Bloch-Gesellschaft begrüsst. Zu den Besuchern des PAUSA-Standortes gehörten auch Sandra Lustig und Catherine Lustig-Radt, die Enkelinnen von Adolph Lowe und Bea Löwenstein. In einem fundierenden Vortrag stellte Jan Robert Bloch im Beisein von acht Mitgliedern der Familie Löwenstein die geschichtlichen, politischen, designhistorischen, künstlerischen und technologischen Zusammenhänge dieses damalig umkämpften Brennpunktes der Moderne zusammen. Aus heutiger Sicht rückblickend wird das Durchsetzungsringen der demokratischen Zivilgesellschaft rekonstruiert und auf seine unabgegoltenen zukunftsweisenden Gehalte überprüft. Der Zufall wollte es, dass auch die PAUSA im Jahr 1919 gegründet wurde. Im neunzigsten Jahr der PAUSA-Gründung startet ein Vorhaben mit hohem Symbolwert und mit einem einzigartigen Brennglasblick. Unter dem Titel Die Pausa und das Bauhaus findet am Mo, 21. September 2009 20:00 Uhr in der Pausa, Bogenhalle in Mössingen ein Vortrag statt. Es spricht Dr. Hermann Berner, Leiter des Stadtmuseums Mössingen Der Abend ist Teil der Veranstaltungsreihe „Das Bauhaus kam nach Mössingen – Zur Erinnerung an die Brüder Artur und Felix Löwenstein“ des Löwenstein-Forschungsverein Mössingen aus Anlass von neunzig Jahren Bauhaus und neunzig Jahren Pausa – unterstützt von Bücherei-Verein Mössingen, Ernst-Bloch-Gesellschaft, Talheimer Verlag, Weiterbildungsnetzwerk TREWIRA Neckar-Alb und Stadtmuseum Mössingen.